Koss Pro4AA im Test – Günstiger Studio Kopfhörer / Dinosaurier

Koss Pro4AA im Test – Günstiger Studio Kopfhörer / Dinosaurier

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In diesem Testbericht schaue ich mir ein wahres Uhrgestein der Studio Kopfhörer an, den Koss Pro4AA (Pro 4 AA). Dieser Dinosaurier unter den Studio Kopfhörern ist schon seit einigen Jahren auf dem Markt und das zu einem sehr erschwinglichen Preis von knapp 180€. Trotzdem bringt er teils hervorragende Eigenschaften zum Recorden und mixen mit.

 

Überblick

Viel zu lange will ich mich gar nicht mit den Äußerlichkeiten aufhalten. Stattdessen soll der Fokus dieses Testberichtes klar auf den Klangeigenschaften des Koss Pro4AA liegen. Daher hier dieses Mal nur eine kurze Beschreibung.

Der Koss Pro4AA ist in jeglicher Hinsicht ein Panzer unter den Kopfhörern. Er sieht nicht besonders hübsch aus, ist klobig und kantig, hält dafür allerdings mit ziemlicher Sicherheit ein Leben lang. Koss ist sich da jedenfalls sicher und gibt eine 10 Garantie für den Pro4AA ab.

Kein Wunder. Die verwendeten Materialien sind entweder sehr dickes Plastik, sehr dicke Gummiohrpolster oder Metall wie an den Bügeln und Scharnieren. Alle Kabel sind zudem sehr dick und das Kabel zum Interface mit 6,35mm Klinkenstecker und Telefonschnur ausgestattet. Wenn irgendwas robust ist, dann ist es dieser Kopfhörer. Und da er ein Arbeitstier für den Studioalltag ist, geht das auch in Ordnung.

Die Specs des Kopfhörers sind ebenfalls Studio Grade. Eine Impedanz von 250 Ohm möchte von gutem Equipment mit ordentlichen Amps überwunden werden. Das Gewicht liegt bei knapp 600 Gramm.

 

Tragekomfort

Der erste optische Eindruck trügt. Trotz, dass der Koss Pro4AA mit 600 Gramm wahrlich kein Leichtgewicht ist, mag man beim ersten hinsehen einen schwereren Klotz erwarten. Einmal auf dem Kopf gesteckt ist der Pro4AA gar nicht so schwer. Die massiv großen Ohrpolster und der sehr sehr breite und super dick gepolsterte Bügel verteilen den Druck sehr gleichmäßig auf dem Kopf.

Die Ohrpolster selbst sitzen jedoch nicht sehr bequem, da sie zwar groß aber nicht besonders dick sind. Das Ohr wird zwar komplett umschlossen, jedoch liegt der Anpressdruck eher ganzflächig auf dem Ohr und Kopf verteilt, statt eher außen auf den Polster. Da alles sehr weich ausgeführt ist drückt`s nicht besonders, jedoch habe ich schon bequemere Kopfhörer gehabt. Längere Hörsessions sind aber trotzdem gut möglich und der Kopfhörer ist keinesfalls unbequem. Sagen wir etwas ungewohnt. Zudem schließt er durch die etwas dünnen Ohrpolster bei mir persönlich nicht ganz perfekt ab und ich muss ihn neu positionieren um die volle Isolierung zu erreichen. Das mag allerdings von Kopf zu Kopf unterschiedlich sein.

 

Klang

Kommen wir zum wichtigsten Merkmal des Koss Pro4AA. Da wir es hier mit einem gnadenlosen Studio Kopfhörer zu tun haben, erwarte ich, dass er neutral klingt, die Musik durchsichtig macht und Schwächen gnadenlos offenbart. Natürlich den günstigen Preis von 180€ im Hinterkopf behalten.

Fangen wir mit dem grundsätzlichen Klangbild an. Das ist sehr durchsichtig und neutral ausgelegt. Höhen sind klar allerdings eher zurückhaltend und wenig spitz, was die Analyse von Becken zulässt aber eben etwas in den Hintergrund schiebt. Die Stärken liegen ganz klar in den Mitten und tieferen Höhen. Stimmen kommen mit dem Koss Pro4AA super analytisch und offen rüber, differenzieren sich sehr gut vom restlichen Mix und lassen sich sehr gut verbessern und steuern. Die Tiefen sind sauber, haben jedoch bei Percussions und Bassgitarren ihre Mühe diese angemessen zu differenzieren und den Druck von Attacks deutlich und transparent zu transportieren. Matschig würde ich das noch nicht nennen allerdings eben im Vergleich zu den Mitten weniger durchsichtig und impulstreu.

In der überragenden Stimmwiedergabe verzeiht der Koss Pro4AA weiterhin keinen Fehler. Rauschen wird eiskalt in den Vordergrund gestellt und lässt sich selbst bei sehr niedrigen Pegeln gut aus einer Spur raushören. Zu trocken gemischte Aufnahmen kommen ebenfalls gnadenlos unlebendig rüber und lassen sich dadurch aufspüren und verbessern. Eines meiner Lieblingsstücke für diesen Test ist Incubus – Blood On The Ground aus dem Album „Morning View“. Das Album ist zwar großartig, jedoch in einem Haus statt einem Studio aufgenommen worden und stellenweise super trocken gemischt. Mit den Koss Pro4AA konnte ich hier sowohl die diversen Rauschpassagen sowie die super trocken gemischte Stimme von Sänger Brandon Boyd 1A raushören. Das können teurere Studio Kopfhörer teils nicht besser.

Trotdem kommt der Koss Pro4AA nicht ohne Schwächen wie oben schon beschrieben. Die Stereoortung würde ich zudem auch ehr als durchschnittlich/okay beschreiben. Im Vergleich legt der Beyerdynamic DT 660 2007 Edition wesentlich größeren Fokus auf die klaren Höhen. Der Sennheiser HD 25-1 II hingegen klingt viel farbiger, schärfer in den Höhen und Tiefenbetonter.

 

Fazit

Der Koss Pro4AA ist ein Analytiker fürs Studio mit seinen deutlichen Stärken bei denen er mit teureren Kopfhörern locker mithält, allerdings auch seinen Schwächen. Zusammengefasst ist er top in den Mitten und trennt Stimmen sehr schön durchsichtig heraus. Gleiches gilt zum Großteil für E-Gitarren mit ordentlich Distortion drauf. Die Fehlererkennung ist sehr gut, Höhen und Tiefen verlieren dafür etwas an Durchsichtigkeit und Definition.

Gemessen am Preis ist der Koss Pro4AA ein Top Studio Kopfhörer. Er kann beispielsweise sehr gut zum separaten Analysieren von Stimmen eingesetzt werden, zusätzlich zur Monitor Abhöre. Denn da klingt er hervorragend. Und ganz ehrlich: Was interessiert es mich dann schon ob er ein klobiger Dinosaurier ist. Vielleicht ist das bald ja sogar wieder cool.

Falls Ihr euch den Koss Pro4AA holt, machts am besten hier beim deutschen Importeur –vertrieb-service Sound Magic. 

Aktueller Preis und mehr Infos:

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